Andre Brie: "Die Truppe macht einen guten Job"

Märkische Allgemeine, 27.09.2005

"Die Truppe macht einen guten Job"

André Brie zum Afghanistan-Einsatz

André Brie (55/Linkspartei) ist Afghanistan-Berichterstatter des Europaparlaments. Als solcher hat er eine differenziertere Haltung zu UN-Einsätzen als seine Partei, die eine sofortige Rückkehr der Bundeswehr aus dem Bürgerkriegsland fordert. Mit Brie sprach Henry Lohmar.

Herr Brie, welchen Eindruck haben Sie von der Arbeit der deutschen Soldaten in Afghanistan?

Brie: Die Truppe macht eine sehr gute und verantwortungsvolle Arbeit. So weit ich das einschätzen kann, wird das Engagement vor Ort als ehrlich akzeptiert.

Warum fordert die Linkspartei dann eine Rückkehr der Bundeswehr?

Brie: Das Mandat ist aus zwei Gründen problematisch: Erstens, weil es keine klare Trennung von den kämpfenden Truppen im Rahmen des Anti-Terror-Einsatzes "Enduring Freedom" gibt. Zweitens, weil die Schutztruppe Isaf mit ihren Wiederaufbau-Teams die Arbeit der zivilen Organisationen vor Ort gefährdet.

Was meinen Sie mit Letzterem?

Brie: Die Hilfsorganisationen agieren lieber alleine als unter dem Schutz der Isaf. Wo Soldaten sind, ist die Gefahr von Anschlägen groß.

Was soll die Schutztruppe dann leisten?

Brie: Unterstützung bei der Entwaffnung der privaten Milizen, Ausbildung afghanischer Polizei und Armee, Absicherung von Wahlen.

Wenn das Mandat entsprechend formuliert ist, würden Sie Zustimmung empfehlen?

Brie: Das afghanische Volk hat 25 Jahre Krieg und Besatzung hinter sich und immer noch keine Stabilität. Angesichts dieser Situation würde ich bei einem klaren UN-Mandat Unterstützung empfehlen.

Da sind sie weiter als Ihre Partei, die meint, die Bundeswehr habe in Afghanistan nichts zu suchen.

Brie: Seit dem Münsteraner Parteitag liegt diese Diskussion in der PDS brach. Ich würde mir wünschen, dass die Linkspartei ihre pauschale Position hinsichtlich friedenserhaltender Einsätze der Uno überdenkt
und differenzierter argumentiert.

Ist Afghanistan auf einem guten Weg?

Brie: Die Wahlen waren Schritte in die richtige Richtung, man sollte sie nur nicht überinterpretieren. Nach wie vor läuft das Land Gefahr, zu einem mafiösen Drogenstaat zu werden.

Und die Taliban?

Brie: Ihr Einfluss beschränkt sich auf kleinere Gebiete im Süden des Landes. Eine Rückkehr an die Macht halte ich für ausgeschlossen. In der Bevölkerung haben sie ausgespielt.

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