Die WASG droht – und Maurer gewinnt - PDS setzt den früheren SPD-Landesvorsitzenden auf Platz eins ihrer Wahlliste

Pressebericht in: Stuttgarter Zeitung - 18.07.05 - Matthias Schiermeyer

Ulrich Maurer ist der Spitzenkandidat des Linksbündnisses im Südwesten. Ein Triumph gelang ihm nicht: Auf dem Parteitag der PDS, jetzt Linkspartei, erhielt er lediglich 57,8 Prozent der Stimmen.

Am späten Nachmittag wird es in der Untertürkheimer Sängerhalle doch noch spannend. Plötzlich ist Ulrich Maurer nicht mehr der einzige ernst zu nehmende Kandidat, der für den Spitzenplatz auf der offenen Liste der Linkspartei – der bisherigen PDS – antritt. Carsten Labudda, Andreas Hauß und Michael Moos wagen es, den Politprofi herauszufordern. Dabei war dieser eigens in die WASG eingetreten, um das Linksbündnis an vorderster Stelle zu repräsentieren. Mit Zählkandidaten ist in der PDS stets zu rechnen, aber dass ausgerechnet Michael Moos, der in der Partei einen guten Ruf genießt, Maurer den Kampf ansagt, überraschte die Parteitagsstrategen.

Dabei haben es sich die führenden Köpfe von WASG und PDS so schön ausgedacht, um die Frauen und die WASG zu ihrem Recht kommen zu lassen: Maurer soll für Platz eins kandidieren und die Tübinger Attac-Vorkämpferin Heike Hänsel, die Karlsruher DGBVorsitzende Karin Binder sowie der Freiburger Strafverteidiger Michael Moos für die Plätze zwei bis vier. Mehr Abgeordnete, so rechnet man, seien kaum in den Bundestag zu bringen. Doch Moos durchbricht das „Denkmodell“, und Maurer, der klare Favorit der WASG, muss heftig für sich werben.

Wer hat das Sagen auf einer gemeinsamen Liste, die aus wahlrechtlichen Gründen von der PDS aufgestellt werden muss? Gut 1100 Mitglieder hat die baden-württembergische WASG, gut 500 die Linkspartei, also die PDS. Es sei doch verständlich, wenn sich die größere Organisation nicht auf Platz vier der Liste wiederfinden wolle, mahnt Maurer. Viele PDSler haben Probleme mit seiner sozialdemokratischen Vergangenheit. Landessprecher Bernhard Strasdeit stellt knapp fest: „Es gibt politische Unterschiede“ – gemeint sind die Bereiche Friedens- und Flüchtlingspolitik. Strasdeit unterstützt Maurer dennoch. Der Europaabgeordnete Tobias Pflüger stellt sich an die Spitze der Kritiker: „Eine ganze Reihe von Personen haben sich die Frage gestellt, warum Ulrich Maurer für Platz eins antritt.“ Es sei nicht gut, dass die Delegierten dies „einfach so akzeptieren müssen“. Auch inhaltlich habe er damit „enorme Schwierigkeiten“. Sogar Michael Moos redet Tacheles: „Wir können nicht die innerparteiliche Demokratie bei anderen kritisieren, wenn wir selbst die Kandidaten nach Proporz aufstellen“, mahnt er. Das sei ein fatales Signal. Die Stuttgarter Stadträtin Ulrike Küstler gibt zu bedenken, dass das Linksbündnis die Unterstützung außerparlamentarischer Gruppen brauche und plädiert für Moos.

Als die Stimmung zu kippen droht, wirft sich WASG-Landessprecher Bernd Riexinger ins Zeug: Wenn Maurer auf Platz vier antreten müsse, „wäre das Bündnis in Baden-Württemberg gescheitert“. Die Delegierten dürften den Erfolg nicht durch unvernünftige Entscheidungen gefährden. „Wir müssen nach diesem Tag noch zusammenarbeiten.“ Am Ende gewinnt Maurer mit 63 von 109 Stimmen vor Moos (29), Labudda (11) und Hauß (3). Er verspricht: „Um die, die mir ihr Vertrauen nicht gegeben haben, werde ich mich kümmern.“ Auf Platz zwei und drei werden, wie angedacht, Hänsel und Binder gewählt, während Moos auf eine zweite Kandidatur verzichtet. In einer Stichwahl um Platz vier setzt sich nach etwa acht Stunden Landesparteitag der Stuttgarter Manfred Hammel durch. Die weiteren Listenplätze werden am nächsten Sonntag ausgelobt.

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